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„Das Hinterzimmer ist Vergangenheit“
 

Warum ist Transparenz so wichtig, Herr Dr. Mai?
Transparenz und Glaubwürdigkeit sind bei der FinanzAgenda oberstes Gebot – aber warum eigentlich? Ein Interview mit Dr. Stefan Mai, Head of Public Affairs bei Union Asset Management Holding AG, über den Politikdialog im Internet.
 

Herr Dr. Mai, wie kamen Sie auf die Idee, die FinanzAgenda zu etablieren?

Wissen Sie, die digitale Revolution hat auch die Arbeit im Bereich Public Affairs, also der Lobbyarbeit, verändert. Das digitale Zeitalter zeigt sich in allen Bereichen der Gesellschaft. Nicht nur die Industrie ist bereits bei der Industrie 4.0 angelangt, auch die Kommunikation in der Politik hat sich im Zuge der Digitalisierung verändert. Die Bevölkerung wächst immer mehr in sozialen Netzwerken und mit digitalen Medien auf. Dieser Trend ist auch in der Politik sowie in der politischen Kommunikation zu beobachten. Gerade die neue Generation von Abgeordneten, sowohl auf europäischer als auch auf nationaler Ebene, bewegt sich ganz selbstverständlich in digitalen Formaten und nutzt diese etwa zur politischen Meinungsbildung. Die neuen Medien bieten uns neue Möglichkeiten, mit Politikern zu kommunizieren und gleichzeitig auch mit politisch interessierten Menschen und Anspruchsgruppen. Der politische Dialog findet hierbei nicht mehr wie früher unter vier Augen statt, sondern wird offen für alle geführt.

 

Gelten bei den „Digital Public Affairs“ besondere Spielregeln?

Das ist ein guter Punkt. Natürlich muss man, wenn man im Web öffentlich auftritt, auch die Regeln der Web-Community einhalten.

 

Und die wären?

Ganz wichtig sind uns Transparenz und Glaubwürdigkeit. Dazu zählt, dass unsere Identität als Absender jederzeit ersichtlich sein muss. Wir reden offen über Themen, vertreten Positionen, machen Vorschläge oder versuchen Denkanstöße für den politischen und regulatorischen Prozess zu geben. Wenn wir Zahlen nennen, nennen wir immer die Quelle und machen nachvollziehbar, wo wir stehen und unsere Informationen her haben.

 

Müssen Sie da auch mit Vorurteilen aufräumen?

Wir hoffen damit zumindest einen kleinen Impuls zu geben gegen die leider zunehmende Politikverdrossenheit. Denn einer der Gründe dafür ist auch die angebliche und tatsächliche Intransparenz der Politik und der Lobbyarbeit. Durch unsere Offenheit möchten wir auf jeden Fall ein Signal setzen. Lobbying, da denken viele immer noch an geheime Gespräche hinter verschlossenen Türen, aber so funktioniert das nicht. Das Hinterzimmer ist Vergangenheit. Und genau aus diesem Grund sind wir deshalb auch im Transparenzregister in Brüssel registriert und wollen verantwortlich und transparent kommunizieren, wo unsere Interessen liegen.Union Investment ist damit einer der wenigen Asset Manager aus Deutschland, die ihre Daten im Transparenzregister der EU offenlegen.

 

Mussten Sie dafür Ihre eigene Kommunikation auch auf den Prüfstand stellen?

Nein, eigentlich nicht. Denn unser Ansatz der Digital Public Affairs entspricht auch dem gelebten genossenschaftlichen Selbstverständnis von Union Investment: kommuniziere offen – sorge für Klarheit. Und: schenke Vertrauen – ernte Loyalität. Für Fairness und Glaubwürdigkeit.

 

 

Dr. Stefan Mai, Jahrgang 1974, ist seit Mai 2015 Leiter des Vorstandsstabs bei der Union Asset Management Holding in Frankfurt am Main. Er verantwortet in dieser Position die Interessenvertretung des Hauses gegenüber Berlin und Brüssel sowie die politische Strategie und die gesamte Gremienarbeit.