FA_1_Standpunkt_Altersvorsorge_Bild2

Altersvorsorge neu gedacht
 

Ist ein neues Basisprodukt wirklich die Lösung?
 

Der demografische Wandel und das Niedrigzinsumfeld stellen die private Altersvorsorge vor große Herausforderungen. Entsprechend wird häufig Kritik am Konzept der Riester-Rente geäußert. Die jüngsten politischen Ideen zur Reform sind die „Deutschland-Rente“ oder eine Basis-Pensionsfonds. Dagegen wird häufig auch Kritik am Konzept der Riester Rente geäußert. Können die neuen Ansätze die Situation wirklich verbessern?

Um die betriebliche und private Altersvorsorge attraktiver zu machen und Altersarmut zu verhindern, schlugen im Dezember 2015 die drei hessischen Minister Tarek Al-Wazir, Stefan Grüttner und Dr. Thomas Schäfer einen staatlichen Rentenfonds mit dem markanten Namen „Deutschland-Rente“ vor. Die Idee: Ein einfaches, transparentes und kostengünstiges Altersvorsorgeprodukt. Es soll als Standardprodukt von einem zentralen Rentenfonds verwaltet werden, der auf Selbstkostenbasis und ohne Gewinninteresse arbeitet. Jeder Arbeitnehmer, der nicht widerspricht, soll jeden Monat automatisch in das Rentenprodukt einzahlen.
Auch die Fraktion Bündnis 90/ Die Grünen stellten ihre Ideen für eine Reform der Altersvorsorge im Januar 2016 vor. Mittels eines Bundestagsantrags votierten sie für die Einführung eines Pensionsfonds als Basisprodukte, die die private und betriebliche Altersvorsorge ergänzen soll.

 

Pauschale Kritik an Riester-Rente ist falsch

Je politischer die Diskussion in den vergangenen Monaten wurde, desto heftiger wurde die Riester-Rente kritisiert. Ein häufig genannter Kritikpunkt war dabei, dass gerade Geringverdiener nur wenig finanziellen Spielraum haben, für das Alter zu sparen. Außerdem seien die Produkte rechtlich stark reglementiert und würden nach Abzug der Kosten nur eine geringe Rendite bieten. Eine solch pauschale Kritik an der Riester-Rente ist in unseren Augen definitiv falsch. Durch die staatlichen Zulagen profitieren auch Geringverdiener und insbesondere Familien mit Kindern von der Riester-Rente. Teilweise übersteigt die Zulagenförderung den Eigenanteil um mehrere 100 Prozent. Eine Pauschalverurteilung des Angebots schießt am Ziel vorbei. Für den Interessenten ist es vielmehr erforderlich, den richtigen Anbieter zu selektieren, der bei adäquaten Kosten ein attraktives Renditepotential und eine attraktive Renten-Höhe bietet. Das ab dem Jahr 2017 verpflichtende Produktinformationsblatt für alle Riester-Verträge wird helfen die Transparenz der unterschiedlichen Riester-Produkte nochmals zu steigern und die Interessenten beim Produktvergleich zu unterstützen.

Insgesamt begrüßen wir die Diskussion zur Riester-Rente, da dadurch weitere Verbesserungen der gesetzlichen Rahmenbedingungen erfolgen können: so etwa die Abschaffung der Anrechnung auf die Grundsicherung,die Erhöhung der Zulageförderung und gleichzeitige die Anhebung des maximalen Sonderausgabenabzugs. Die Riester-Rente ist definitiv nicht „gescheitert“, sondern wird aufgrund des demographischen Wandels und steigender Altersarmut noch weiter an Bedeutung gewinnen. Denn was wäre die Alternative? Werfen wir einmal einen genaueren Blick auf die beiden oben genannten Vorstöße zur Diskussion einer Weiterentwicklung der Altersvorsorgesysteme und beleuchten die vorhandenen Schwächen.

 

Deutschland-Rente nicht individuell genug

Das Konzept der „Deutschland-Rente“ kann als zentrales staatliches Anlagevehikel mit einer einheitlichen Investmentstrategie und Positionsauswahl nicht individuelle Anlegerprofile abdecken (z.B. Risiko- und Renditeprofil). Der Wettbewerb in der Finanzindustrie bietet dagegen innovative Produktentwicklungen und kann durch eine Vielzahl von unterschiedlichen Angeboten den individuellen Präferenzen der Sparer besser gerecht werden. Darüber hinaus bedarf die Altersvorsorge einer ganzheitlichen Beratung. Wie dies im derzeit angedachten Modell eines staatlichen Anlagevehikels flächendeckend sichergestellt werden soll, bleibt unklar.

 

Renditestärke fraglich

Es erscheint außerdem fragwürdig, dass staatliche Stellen mit einer passiven Anlagestrategie eine Überrendite gegenüber privatwirtschaftlich organisierten Asset Managern erzielen können. Statistiken, wie die BVI Erhebung vom Dezember 2015 zur langjährigen Fondsanlage durch Asset Manager, weisen etwa nach Kosten immer noch durchschnittliche Renditen von zwischen 3,2 respektive 6,7 Prozent aus (zehnjährige Anlage respektive 35-jährige Anlage in einem Mischfonds in Euro).

 

Mangelnde Erfahrung

Der Staat hat bisher nur Erfahrung im Umlageverfahren der gesetzlichen Rentenversicherung. Die jahrzehntelange Erfahrung der Finanzindustrie mit kapitalgedeckten Altersvorsorgeprodukten bildet dagegen die Basis einer breiten Expertise, die erhebliche Vorteile gegenüber neu aufzubauenden Infrastrukturen (Mehrkosten) eines zentralen staatlichen Fonds bringt. Es bleibt unklar, ob mit Kostenvorteilen bei einem staatlichen Fonds zu rechnen ist.

 

Unabhängigkeit steht auf dem Spiel

Zudem besteht das Risiko einer staatlichen Einflussnahme zur Nutzung des Fonds im Rahmen politischer Opportunitäten (muss der Fonds etwa zu Lasten einer ausgewogenen Portfoliodiversifizierung Staatsanleihen zur Staatsfinanzierung kaufen?). Asset Manager hingegen sind gesetzlich verpflichtet, ausschließlich im Interesse der Anleger zu handeln.

 

Gibt es Alternativen?

Die in Deutschland noch unterentwickelte betriebliche und private Altersvorsorge benötigt auf jeden Fall ergänzende Impulse zur weiteren Entwicklung (etwa durch eine Erhöhung der staatlichen Zulage und der steuerlichen Absetzbarkeit von Altersvorsorgebeiträgen). Die damit verbundenen gesellschaftspolitischen Herausforderungen sollten jedoch eher durch marktwirtschaftlich organisierte, kapitalgedeckte Lösungen bewältigt werden anstatt wieder einen Schritt zurück zu staatlich getriebenen Lösungen zu machen.

Wir beteiligen uns gerne an der konzeptionellen Diskussion um die Ausgestaltung einer „Deutschland-Rente“ und stellen dafür auch gerne unsere Expertise als einer der größten Anbieter von fondsbasierten Altersvorsorgelösungen in Deutschland  zur Verfügung. Dem jüngst von Seiten des Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) ins Spiel gebrachten Vorschlag zur Einrichtung einer Enquetekommission nach der Bundestagswahl und einer Erarbeitung eines Gesetzes nach 2019 schauen wir erwartungsvoll entgegen.

 

Private Altersvorsorge - kurz erklärt

Einfacher als gedacht: die private Altersvorsorge

Einfacher als gedacht: die private Altersvorsorge
Warum ist private Altersvorsorge wichtig? Und worauf kommt es an? Wir erklären es - denn es ist einfacher, als gedacht!
Diese Fakten zur Altersvorsorge könnten Sie auch interessieren: