Reinke: "Altersvorsorgesystem in Vielfalt erhalten und stärken"

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Mir konnte bislang keiner erklären, wie man die Stabilität eines Gebäudes erhöht, indem man einen tragenden Eckpfeiler wegschlägt.

Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment

Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, beobachtet die aktuellen politischen Diskussionen um das deutsche Rentensystem sehr genau. Es beruht auf zwei Grundpfeilern, dem Umlageverfahren und dem kapitalgedeckten Verfahren. „Hier wurde über Jahrzehnte ein System entwickelt, das sich bewährt hat“, sagt der Vorstandsvorsitzende. Beide Wege kommen aus unterschiedlichen Gründen verstärkt unter Druck, die gesetzliche Rentenversicherung aufgrund der Demografie, die kapitalgedeckte Vorsorge aufgrund des lang anhaltenden Niedrigzinsumfelds. Reinke kritisiert die Vorschläge aus der Politik, die darauf abzielen, zum Umlageverfahren als einzigem Träger der Altersvorsorge zurückzukehren. „Mir konnte bislang keiner erklären, wie man die Stabilität eines Gebäudes erhöht, indem man einen tragenden Eckpfeiler wegschlägt“, führt Reinke aus.

 

Als Beleg, welchen Nutzen die Diversifikation nicht nur in der allgemeinen Geldanlage, sondern auch im Rentensystem schaffen kann, verweist Herr Reinke auf Berechnungen der Bundesregierung. In ihrem aktuellen Rentenversicherungsbericht hat sie am Beispiel der Riester-Rente untersucht, wie das Versorgungsniveau durch die Kombination von gesetzlicher Rente und kapitalgedeckter Vorsorge gesichert wird. „Das Ergebnis zeigt, dass das Versorgungsniveau bis zum Jahr 2029 auf über 50 Prozent gehalten werden kann. Die Riester-Rente erfüllt ihre ursprüngliche Aufgabe, das sinkende Niveau der gesetzlichen Rente abzufedern und hilft, die Rentenlücke dauerhaft zu reduzieren“, erläutert Reinke.

 

Der Vorstandsvorsitzende erachtet es als nicht zielführend, heutzutage großzügige politische Geschenke aus der Rentenversicherung zu verteilen. Denn sie führten letztlich dazu, die Möglichkeit künftiger Generationen zu schmälern, angemessen an den Leistungen der gesetzlichen Rente partizipieren zu können. Darüber hinaus führten sie zu steigenden Lohnnebenkosten und belasteten die Wettbewerbsstärke. „Es geht auch in guten Zeiten darum, mit den Mitteln der gesetzlichen Rentenversicherung hauszuhalten. Auf eine stabile Konjunktur können wir uns nicht dauerhaft verlassen, und mehr Beitragszahler wird es aufgrund der Demografie nicht geben.“

 

In den kapitalgedeckten Verfahren sollte den niedrigen Zinsen durch mehr Wettbewerb und ein breiteres Angebot an Wahlmöglichkeiten sowie weiteren Anreizen begegnet werden. So ist es beispielsweise im Sinne aller Vorsorgesparer, auch in der betrieblichen Altersversorgung allen Anbietern den gleichen Zugang zum Markt zu verschaffen. „In einem solchen Level Playing Field könnten Sparer aus einem breit angelegten Angebot die für sie passenden Lösungen auswählen und müssten ihre Anlagemöglichkeiten nicht beschränken“, sagt Reinke.

Riester-Rente

Reinke fordert zudem eine Weiterentwicklung der Riester-Rente. „Es würden sich noch mehr Menschen für die Riester-Rente entscheiden, wenn sie nicht auf die Grundsicherung angerechnet, die Fördergrenzen und Zulagenhöhen dynamisiert und der Berechtigtenkreis ausgebaut würde“, erklärt Reinke. Zudem regt Reinke an, dass Deutschland dem Beispiel anderer Länder folgen und die ungeförderte private Vorsorge mit steuerlichen Anreizen attraktiver machen sollte.

 

Reinke vermisst in der aktuellen öffentlichen Rentendebatte ein gewisses Maß an Sachlichkeit. „Ich wünsche mir, dass wir in der öffentlichen Diskussion den Menschen mehr Orientierung geben, statt sie durch zugespitzte Aussagen zu verunsichern. Wir müssen die Sparer, die etwas für ihre Vorsorge tun, darin bestärken, dass sie etwas richtig machen“, resümiert Reinke.