Finanzberatung_fuer_alle

Finanzberatung für alle
 

MiFID II: Koexistenz von Provisions- und Honorarberatung sicherstellen
 

Voraussichtlich im Jahr 2018 soll die EU-Finanzmarktrichtlinie MiFID II auch in Deutschland umgesetzt werden. In ihr ist unter anderem geregelt: Wer als Berater Unabhängigkeit suggeriert, darf keine Provisionen nehmen. 
 

Die bisher gängige Praxis der Provisionsberatung durch abhängige Berater, die eine flächendeckende Beratung erst sichern, wird mit MiFID II fälschlicherweise verunglimpft. Dabei wäre es wichtiger, die spezifischen Vor- und Nachteile der beiden Modelle miteinander nüchtern zu vergleichen.
Werfen wir einmal einen Blick auf die wesentlichen Unterschiede beider Beratungsmodelle:

Beim provisionsbasierten Modell wird die Beratung im Rahmen der Kostenstruktur des Finanzprodukts abgegolten. Maßgeblich ist hierbei der sogenannte Ausgabeaufschlag.

Beim honorarbasierten Modell wird dagegen die Beratung entweder mit dem investierten Volumen (Prozentsatz p. a.), einer Gewinnbeteiligung, einem Festpreis oder einer Kombination dieser drei Varianten abgegolten. In der öffentlichen Wahrnehmung und Berichterstattung dominiert hingegen die Honorarberatung auf Stundenbasis. Das heißt, das Entlohnen der Beratungsgebühr erfolgt separat und ist nicht Bestandteil der Kostenstruktur eines Finanzprodukts.


 

0,007 %

Anteil der Beschwerdefälle bei 70 Millionen Anlageberatungen im Jahr 2015

 

Beschwerderegister der BaFin

Beratungsqualität ist unabhängig vom Beratungsmodell

Die Qualität der Anlageberatung hängt davon ab, wie individuell der Berater auf die Interessen des Anlegers eingeht. Sie beurteilt sich insbesondere danach, wie fundiert die Beratung inhaltlich durchgeführt wird, also insbesondere mit der Anlageempfehlung auf die individuellen Bedürfnisse des Kunden auf Basis seiner Kundenangaben eingegangen wird. Allerdings kann die Beratungsqualität dagegen nicht nach einer kontinuierlichen Positivrendite beurteilt werden. Diese ist nämlich unter anderem auch abhängig vom jeweiligen Marktumfeld , das außerhalb der Einflusssphäre des Anlageberaters liegt.

Eine weitverbreitete Fehlannahme ist auch, dass die Provisionsberatung eher zu Interessenkonflikten und Falschberatung führe. Etwa durch die Andienung eines Finanzprodukts mit der höchsten Provision (Provisionsberatung) oder durch die Vermittlung eines komplexen und damit beratungsintensiven Produkts (Honorarberatung). In beiden Fällen hätte sich der Bankberater nicht an den Bedürfnissen seines Kunden orientiert, sondern am eigenen Vorteil im Zusammenhang mit der Beratungstätigkeit.

Wäre diese Form der Fehlberatung ein verbreitetes Phänomen, müsste sich diese auch in einer entsprechend hohen Beschwerdezahl niederschlagen. Allerdings liefert das hierfür repräsentative Beschwerderegister der BaFin keine entsprechenden Indizien: So wurden für 2015 institutsübergreifend lediglich 4.628 Beschwerdefälle registriert. Vor dem Hintergrund, dass in Deutschland jährlich etwa 70 Millionen Anlageberatungen durchgeführt werden, ist die Beschwerdezahl mit 0,007 Prozent somit verschwindend gering, wobei noch nicht einmal zwischen begründeten oder unbegründeten Beschwerden unterschieden wurde.

 

Provisionsberatung ermöglicht flächendeckende Beratung

Mit gegenwärtig 1.021 Volks- und Raiffeisenbanken stellt das genossenschaftliche Verbundsystem eine flächendeckende Beratung in wirtschaftlich starken genauso wie in strukturschwachen Regionen sicher. Die Provisionen aus der Beratung sind dabei ein Baustein zur Aufrechterhaltung der hierfür notwendigen Infrastruktur.

Ein weiteres Plus der Provisionsvergütung ist, dass die Beratungskosten sozial gerecht verteilt werden. Kunden, die hohe Vermögen anlegen, zahlen mehr als Kunden mit kleinen Investitionen. Die Bankberatung auf Provisionsbasis ist kostenlos. Eine Vergütung wird erst bei einem Vertragsabschluss fällig.

 

Großbritannien zeigt, wie es nicht sein sollte

Eine gesetzliche Bevorzugung eines der beiden Modelle oder gar die gänzliche Abschaffung des Provisionsmodells würde große Teile der Bevölkerung von der Beratung zur Altersvorsorge und Geldanlage ausschließen. Großbritannien gilt hier als warnendes Beispiel. Hier werden in Folge des Verbots der Provisions- zugunsten der Honorarberatung („Retail Distribution Review – RDR“) nur noch Kunden mit einem freien Vermögen ab mindestens 70.000 Euro beraten. Mit Blick auf Deutschland würde im Falle einer solchen Regelung neben der Vermögensschere auch die Beratungsschere gleichsam aufgehen.

 

Fazit

Eine Beibehaltung des dualen Systems aus Provisions- und Honorarberatung halten wir aus den genannten Gründen für sinnvoll und ratsam. Wir beteiligen uns gerne an der konzeptionellen Diskussion, wie eine flächendeckende Vermögensbildung in Deutschland verbessert werden kann, und stellen gerne unsere Expertise als größter Anbieter von fondsbasierten Altersvorsorgelösungen in Deutschland zur Verfügung.