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Irreführend, unklar - PRIIPs?

Irreführend, unklar und für die Umsetzung zeitlich zu knapp – trifft das auf PRIIPS, den gegenwärtigen Transparenzvorschlag der EU-Kommission, zu? Eine Einordnung von Dr. Andreas Zubrod, Mitglied des Vorstands.

Bereits 2014 hat die EU-Kommission einen Vorschlag zu PRIIPs vorgelegt. Dahinter verbergen sich "Packaged Retail and Insurance-based Investment Products", das heißt Produkte für Kleinanleger mit Verpackungscharakter. Konkret geht es um Produkte, deren zugrunde liegende Vermögenswerte Schwankungen unterliegen und die nicht direkt oder indirekt vom Kleinanleger erworben werden. Zukünftig sollen PRIIPs Risiken, Wertentwicklungsszenarien und Kosten im Wege von Informationsdatenblättern für den Anleger kurz und bündig ausweisen (etwa für Versicherungsprodukte und strukturierte Produkte). Für Publikumsfonds, die bereits wesentliche Anlegerinformationen vorzuhalten haben, sollen Übergangszeiträume gelten. Was im Sinne des Anlegerschutzes gut gemeint ist, läuft Gefahr, in Teilen schlecht umgesetzt zu werden.

Geforderte Ausweisung von Transaktionskosten ist irreführend
 

Durch die avisierte Methode der Ermittlung von Transaktionskosten unter PRIIPs, würden auch Wertveränderungen, die sich während des Zeitraumes der Ordereingabe gegenüber der Orderausführung ergeben können, erfasst. Wird der Verkauf eines Wertpapiers zu einem günstigeren Kurs ins System gestellt, aber zu einem hören Kurs ausgeführt, würde dies zu einer negativen "Transaktionskostenausweisung" unter PRIIPs führen. Veräußerungserlöse im Wege von Orderausführungen sollten aber nicht mit Ordergebühren vermengt werden.

Zu knappe Umsetzungsfristen
 

Für den Primärrechtsakt und für die Umsetzungsregelungen zu PRIIPS wurden die Zeitpunkte des in Inkrafttretens auf den 31. Dezember festgelegt. Die Veröffentlichung der Umsetzungsregelungen durch die EU-Kommission erfolgte erst Ende Juni – viel zu spät im Sinne einer sach- und interessengerechten Implementierung durch die Branche. Die EU-Kommission hat auf Druck des Europäischen Parlaments zwar mittels einer Verschiebung auf den 1. Januar 2018 reagiert. Dennoch sollten alle Beteiligten aus den Risiken eines zu ambitionierten Zeitplanes lernen.

Unklare Berechnungsbasis PRIIPS mit mehreren Anlageoptionen
 

PRIIPs, die mehrere Anlageoptionen anbieten (zum Beispiel fondsgebundene Versicherungen), sollen ebenfalls in den Anwendungsbereich der PRIIPs fallen. Wie eine einheitliche Bemessungsgrundlage für diese "Multi-investment option PRIIPs" (MOP) aussehen kann, darüber schweigen sich die PRIIPs-Umsetzungsregelungen aus. Zwecks tatsächlicher Produktvergleichbarkeit ist Letzteres aber wichtig. Ein Beispiel: Die obligatorische Transparenzausweisung bei OGAW (Organismen für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren) erfolgt auf Basis eines jährlichen Einmalbetrages i.H.v.10.000 Euro. Bei Versicherungsprodukten ist jedoch auch ein Ausweis über laufende Beiträge i.H.v. 1.000 Euro möglich. Zudem weicht die Haltedauer von OGAW gegenüber jener bei Versicherungsprodukten ab. Daraus folgt ein unterschiedlicher Ausweis, der bei MOP kaum in einem Informationsblatt widerspruchsfrei vereint werden kann.