Source: https://www.finanzagenda.de/positionen-und-papiere/nationale-themen/koalitionsvertrag
Die neue Bundesregierung hat sich auf einen Koalitionsvertrag geeinigt. Wie bewertet unser Vorstandsvorsitzender Hans Joachim Reinke die Pläne der Großen Koalition? In einem kurzen Interview gibt er eine erste Einschätzung.
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Stand: 10. April 2025
Hans Joachim Reinke: Der Koalitionsvertrag ist ein wichtiger Schritt mit einer ambitionierten Agenda für die kommenden Jahre. Wir begrüßen insbesondere die geplanten Reformen der privaten Altersvorsorge mit der Einführung einer Frühstart-Rente und die längst überfällige Weiterentwicklung der Riester-Rente. Die im Koalitionsvertrag beschlossenen Maßnahmen sind unerlässlich, um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland zu stärken. Für die Bewältigung der vor uns liegenden Aufgaben braucht es einen gemeinsamen Kraftakt von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Insbesondere bei den Infrastrukturvorhaben ist eine enge Zusammenarbeit von Politik und Wirtschaft wichtig, um die notwendigen finanziellen Mittel zu generieren. Dabei sind verlässliche und attraktive Rahmenbedingungen für private und institutionelle Investitionen unerlässlich.
Die Koalitionspartner haben sich eine ambitionierte Agenda gesetzt, die nun zeitnah umgesetzt werden muss. Mit Unterstützung der Wirtschaft schaffen wir wieder ein wettbewerbsfähiges Deutschland.
Hans Joachim Reinke
Vorstandsvorsitzender Union Investment
Reinke: Der Koalitionsvertrag gibt Grund zur Hoffnung. Die Koalitionäre haben sich darauf geeinigt, die Riester-Rente in ein neues Vorsorgeprodukt zu überführen. Das ist der richtige Weg. Die 2002 eingeführte Riester-Rente hat mit über 16 Millionen abgeschlossenen Verträgen zwar eine europaweit einmalige Verbreitung bei der freiwilligen privaten Altersvorsorge gefunden, aber die hohe Komplexität und die sehr hohen Anforderungen an die Produktgestaltung haben in den letzten Jahren zu einem deutlichen Rückgang im Neu- und auch im Bestandsgeschäft geführt. Vor diesem Hintergrund stimmt es optimistisch, dass die neue Regierung die vielen Reformimpulse, die von Verbraucherschützern, Anbietern, Verbänden und Fachvertretern in den letzten Jahren ausgegangen sind, konstruktiv aufnehmen und zügig in eine Reform der privaten Altersvorsorge umsetzen möchte.
Reinke: Es kommt jetzt darauf an, bei neuen Altersvorsorge-Formaten die größten Schwächen der jetzigen Riester-Produkte zu vermeiden und die Produkte für eine wieder wachsende Zahl an Vorsorge-Sparern attraktiv zu machen. Der Koalitionsvertrag zeigt in die richtige Richtung, indem er festhält, dass das neue Vorsorgeprodukt von bürokratischen Hemmnissen befreit werden und der Kreis der Förderberechtigten ausgeweitet werden soll. So könnte das zunehmende Problem der Altersvorsorge für Selbständige angegangen werden. Die Absicht, durch eine einfache staatliche Förderung besonders die Bezieher kleinerer und mittlerer Einkommen zu unterstützen, geht sozialpolitisch genau in die richtige Richtung.
Reinke: In Bezug auf die neuen Altersvorsorgeprodukte ist es wichtig, dass die bestehende Riester-Verträge Bestandsschutz genießen, um das Vertrauen von Millionen aktiven Altersvorsorgesparern nicht zu enttäuschen. Gleichzeitig sollte auf freiwilliger Basis ein Wechsel in die neuen Altersvorsorgeprodukte ohne Nachteile möglich sein. Die neuen Altersvorsorgeprodukte sollten nicht zwangsweise mit einer Garantie ausgestattet sein. Denn die Vergangenheit hat gezeigt, dass Garantien viel Rendite und damit viel zukünftige Rente kosten können.
Reinke: Mit der Frühstart-Rente, bei der der Staat für jedes Kind zwischen sechs und 18 Jahren pro Monat zehn Euro in ein steuerfreies privates „Altersvorsorgedepot“ einzahlt, geht die neue Bundesregierung einen innovativen, kreativen und vielversprechenden Weg. Zum einen wird für die junge Generation langfristig ein Kapitalstock für deren Rente geschaffen. Zum anderen machen Kinder und deren Eltern durch die Frühstart-Rente erste Erfahrungen mit dem Kapitalmarkt. Dies ist ein großer Schritt für die Finanzbildung in Deutschland. Der Koalitionsvertrag gibt nun Anlass zur Hoffnung, dass die angekündigte Reform die längst überfälligen neuen Impulse für die Altersvorsorge in Deutschland setzt.