Source: https://www.finanzagenda.de/ueber-uns/public-affairs-union-investment/hinterzimmer-war-gestern
Warum ist Transparenz so wichtig, Herr Dr. Mai? Transparenz und Glaubwürdigkeit sind bei der FinanzAgenda oberstes Gebot – aber warum eigentlich? Ein Interview mit Dr. Stefan Mai, Head of Public Affairs bei Union Asset Management Holding AG, über den Politikdialog im Internet.
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Herr Dr. Mai, wie kamen Sie auf die Idee, die FinanzAgenda zu etablieren?
Wissen Sie, die digitale Revolution hat auch die Arbeit im Bereich Public Affairs, also der Lobbyarbeit, verändert. Digitalisierung finden wir mittlerweile in allen Lebensbereichen. Während viele Industrien bereits inmitten der digitalen Transformation stecken, hat sich auch die politische Kommunikation im Zuge einer digitalen Welt enorm verändert. Schon Kinder und Jugendliche wachsen mit sozialen Medien und Netzwerken auf. Auch in der Politik ist dieser Trend zu beobachten. Immer mehr Abgeordnete sind auf Plattformen wie Instagram, LinkedIn und Co. aktiv. Und die neuen Medien bieten uns neue Möglichkeiten, mit Politikern zu kommunizieren. Gleichzeitig, mit politisch interessierten Menschen und Anspruchsgruppen. Der politische Dialog findet hierbei nicht mehr wie früher unter vier Augen statt, sondern wird offen für alle geführt.
Gelten bei den „Digital Public Affairs“ besondere Spielregeln? Das ist ein guter Punkt. Natürlich muss man, wenn man online öffentlich auftritt, auch die Regeln der Web-Community einhalten.
Und die wären? Ganz wichtig sind uns Transparenz und Glaubwürdigkeit. Dazu zählt, dass unsere Identität als Absender jederzeit ersichtlich sein muss. Wir reden offen über Themen, vertreten Positionen, machen Vorschläge oder versuchen Denkanstöße für den politischen und regulatorischen Prozess zu geben. Wenn wir Zahlen nennen, nennen wir immer die Quelle und machen nachvollziehbar, wo wir stehen und unsere Informationen her haben.
Müssen Sie da auch mit Vorurteilen aufräumen? Wir hoffen damit zumindest einen kleinen Impuls zu geben gegen die leider teilweise zunehmende Politikverdrossenheit. Denn einer der Gründe dafür ist auch die angebliche und tatsächliche Intransparenz der Politik und der Lobbyarbeit. Durch unsere Offenheit möchten wir auf jeden Fall ein Signal setzen. Lobbying, da denken viele immer noch an geheime Gespräche hinter verschlossenen Türen, aber so funktioniert das nicht. Das Hinterzimmer ist Vergangenheit. Und genau aus diesem Grund sind wir deshalb auch im Transparenzregister in Brüssel registriert und wollen verantwortlich und transparent kommunizieren, wo unsere Interessen liegen. Union Investment ist damit einer der wenigen Asset Manager aus Deutschland, die ihre Daten im Transparenzregister der EU und im Lobbyregister für die Interessenvertretung gegenüber dem Deutschen Bundestag und der Bundesregierung offenlegen.
Mussten Sie dafür Ihre eigene Kommunikation auch auf den Prüfstand stellen? Nein, eigentlich nicht. Denn unser Ansatz der Digital Public Affairs entspricht auch dem gelebten genossenschaftlichen Selbstverständnis von Union Investment: kommuniziere offen – sorge für Klarheit. Und: schenke Vertrauen – ernte Loyalität. Für Fairness und Glaubwürdigkeit.
Dr. Stefan Mai, Jahrgang 1974, ist seit Mai 2015 Leiter des Vorstandsstabs bei der Union Asset Management Holding in Frankfurt am Main. Er verantwortet in dieser Position die Interessenvertretung des Hauses gegenüber Berlin und Brüssel sowie die politische Strategie und die gesamte Gremienarbeit.