Source: https://www.finanzagenda.de/positionen-und-papiere/europaeische-themen/kapitalmarktunion/union-investment-active-account-perspective
Mit der Veröffentlichung unseres Positionspapiers zu EU-CCPS und Active-Accounts stellen wir, als Union Investment, kritisch die Meinung in Frage, dass die Active-Account-Anforderung die Grundsätze von Best Execution untergräbt.
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Als Union Investment sind wir aktiver Nutzer von Finanzderivaten, um Performance- und Risikoziele von Investitionen zu erreichen, die wir im Namen unserer Kunden tätigen. Dabei sind wir auch ein großer Befürworter des zentralen Clearings von Finanzderivaten, denn das Risikomanagement durch eine neutrale zentrale Gegenpartei (CCP) bietet uns zahlreiche Vorteile. Das Clearing von auf Euro lautenden Finanzderivaten stellt jedoch eine besondere Herausforderung für die Finanzstabilität dar.
Denn: Über 80 % des Marktes für auf Euro lautenden OTC-Zinsderivate mit einem Gegenwert von 135 Mrd. USD werden zentral abgewickelt, und ca. 89 % davon im Vereinigten Königreich, das seit dem Brexit ein Drittland aus Sicht der EU ist. Sollte ein Krisenfall eintreten, der die Stabilität der EU und des Euros bedroht, haben die EU-Behörden sowie die EZB nur sehr begrenzte Möglichkeiten einzugreifen und die Finanzmarktstabilität sicherzustellen. Als Reaktion darauf hat die Europäische Kommission einen Gesetzesvorschlag ausgearbeitet, der von EU-Marktteilnehmern fordert, einen Teil bestimmter auf Euro lautender Finanzderivate über EU CCPs abzuwickeln, indem sie ein „aktives Konto“ in der EU führen.
Dieser Vorschlag wurde von einer Reihe von Branchenverbänden strikt abgelehnt, wobei sich dabei auf Argumente wie bestmögliche Ausführung („Best Execution“), Marktliquidität und Verlust an wirtschaftlicher Effizienz (insbesondere durch das Nettingprozesse über mehrere Währungen hinweg) gestützt wird. Einige dieser Argumente stehen jedoch nicht im Einklang mit den Erfahrungen, die wir als Union Investment mit dem Clearing der betroffenen Finanzderivate in der EU in Zusammenarbeit unter anderem mit Eurex Clearing AG und LCH SA gemacht haben. Diese EU CCPs haben seit der Einführung des Clearingmandats eine progressive und robuste Marktentwicklung erreicht. Wir haben in Reaktion auf den Brexit das Clearing der betroffenen Finanzderivate bereits vor mehreren Jahren zu diesen genannten EU CCPs verlagert. Aus diesem Grund haben wir unser bereits im Jahr 2017 veröffentlichtes Papier „Perspectives on the implications of an EU27 Relocation for Euro Swap Clearing“ aktualisiert und wollen mit "The Active Account requirement is the right answer to difficult questions – it’s time to move forward" unsere damit gemachten positiven Erfahrungen teilen.
In unserer Veröffentlichung stellen wir kritisch die Meinung in Frage, dass die Active-Account-Anforderung die Grundsätze von Best Execution untergräbt. Best Execution sollte im Hinblick auf die gesamte Wertschöpfungskette beurteilt werden, für die nicht nur Trading, sondern auch Clearing und Settlement integrale Bestandteile sind. Wir würden begrenzte temporäre Anpassungskosten als einen angemessenen Preis betrachten, der für die Aufrechterhaltung der Finanzstabilität und die Minimierung von Verlusten in einem extremen Stressszenario zu zahlen ist, und der voll und ganz mit den Grundsätzen von Best Execution im Einklang steht.
Wir erörtern auch das Narrativ von der "begrenzten Liquidität von über EU CCPs geclearten Euro-denominierten Produkten", das von einigen Branchenverbänden immer noch aufrechterhalten wird. Unsere Analyse der Geld-Brief-Spannen für auf Euro lautende Zins- und Credit-Default-Swaps bei EU CCPs zeigt, dass die Unterschiede zwischen EU CCPs und CCPs aus Drittländern minimalst sind, auch unter angespannten Marktbedingungen. Darüber hinaus wurde viel über CCP-Basisrisiken (Preisunterschiede für dasselbe Produkt bei verschiedenen CCPs) gesprochen, ohne diese Risiken in Relation zu anderen Marktrisiken zu setzen und ohne die Vielfalt sowie das Gleichgewicht der Akteure im EU-OTC Derivate-Ökosystem anzuerkennen, die diese Basisrisiken auf einem sehr überschaubaren Niveau halten werden.
Wir erkennen an, dass es möglicherweise zu einem Verlust der Vorteile des Mehrwährungs-Nettings kommen kann, aber die von einigen Branchenverbänden vorgestellten selektiven Szenarien spiegeln nicht die Auswirkungen auf die Branche als Ganzes wider. Da unter der Active-Account Anforderung nur ein Teil der Euro-Positionen über eine EU CCP abgewickelt werden würde, gehen wir davon aus, dass die Vorteile der Mehrfachwährung weitgehend erhalten bleiben. Darüber hinaus haben EU CCPs Wettbewerbsvorteile in Bezug auf den Umfang der zulässigen Sicherheiten für die Abdeckung der sogenannten Initial Margin und produktübergreifendes Netting (OTC-Zinsswaps gegenüber börsengehandelte Anleihefutures), die möglichen Verluste von Mehrwährungs-Netting ausgleichen könnten.
Als führender europäischer Vermögensverwalter haben wir eine treuhänderische Verantwortung, im besten langfristigen Interesse unserer Kunden zu handeln, und dazu gehört auch die Förderung einer sicheren EU-Finanzmarktinfrastruktur. Es liegt im Interesse des EU-Finanzsektors, langfristig über starke Clearing-Kapazitäten innerhalb der EU zu verfügen und nicht an eine Infrastruktur gebunden zu sein, die außerhalb der direkten Kontrolle der EU liegt. Wir möchten daher weitere EU-Marktteilnehmer ermutigen, mit uns gemeinsam konstruktiv und faktenbasiert an den Gesetzesvorschlag heranzugehen und sich für den Active Account Ansatz einsetzen.
Das englische Positionspapier gibt es hier zum Download:
Union Investment Positionspapier (PDF, 317 KB)
Stand: 29.09.2023