Source: https://www.finanzagenda.de/positionen-und-papiere/europaeische-themen/sustainable-finance/hans-joachim-reinke-zu-neuen-sustainable-finance-strategien
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Stand: 06. August 2021
Sowohl auf europäischer als auch auf deutscher Ebene wurden in 2021 neue Sustainable Finance-Strategien vorgelegt.
Am 6. Juli 2021 hat die EU-Kommission ihre erneuerte EU Sustainable Finance-Strategie veröffentlicht. Die Strategie knüpft an den EU-Aktionsplan aus dem Jahr 2018 an, der bereits in weiten Teilen umgesetzt wurde.
Die neue Strategie identifiziert vier Bereiche, in denen weiterer Handlungsbedarf besteht. Unter anderem geht es um die Finanzierung des Übergangs der Realwirtschaft zur Nachhaltigkeit sowie um die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit des Finanzsektors und dessen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Den vier Themenkomplexen sind insgesamt sechs Maßnahmen-Pakete zugeordnet.
Wir begrüßen die EU Sustainable Finance-Strategie, denn eine Weiterentwicklung und Ergänzung des EU-Aktionsplans aus 2018 ist sinnvoll – auch vor dem Hintergrund der inzwischen verschärften EU-Klimaziele.
Hans Joachim Reinke
Vorstandsvorsitzender, Union Investment
Konkret plant die EU-Kommission beispielsweise eine Ausweitung der Taxonomie und eine Verbesserung der Zuverlässigkeit und Vergleichbarkeit von ESG-Ratings. Zudem geht es auch um die Einführung von Mindestanforderungen für Finanzprodukte nach Art. 8 der EU-Offenlegungs-Verordnung (SFDR).
„Bei der Ausgestaltung der neuen EU-Strategie wird es von großer Bedeutung sein, den Ansatz der Transformation von braun zu grün stärker in den Fokus zu nehmen. Nur so kann die Finanzierung des nachhaltigen Umbaus der Wirtschaft gelingen“, bewertet Reinke die Pläne der EU-Kommission. Die Umsetzung des bisherigen EU-Aktionsplans habe sich zu sehr auf die dunkelgrüne Nische konzentriert.
Die deutsche Bundesregierung ist mit ihrer eigenen Sustainable Finance-Strategie der EU-Kommission zuvor gekommen. Mit der bereits am 5. Mai 2021 vom Bundeskabinett verabschiedete Strategie sollen Investitionen für Klimaschutz und Nachhaltigkeit mobilisiert und zugleich Klimarisiken für das Finanzsystem adressiert werden. Dabei lautet das übergeordnete Ziel: Deutschland zu einem führenden Sustainable Finance-Standort auszubauen. Die Strategie besteht aus 26 Maßnahmen und greift einige Empfehlungen aus dem Abschlussbericht des Sustainable Finance-Beirats auf.
Die Strategie ist ambitioniert und setzt eigene Schwerpunkte, um das Thema Sustainable Finance in Deutschland voranzutreiben.
Aus Sicht von Union Investment-CEO Reinke ist der Plan der Bundesregierung gut ausbalanciert: „Die Strategie ist ambitioniert und setzt eigene Schwerpunkte, um das Thema Sustainable Finance in Deutschland voranzutreiben. Gleichzeitig wird Wert darauf gelegt, dass die Umsetzung der Maßnahmen praktikabel sein und im Einklang mit internationaler Regulierung stehen soll“, so Reinke.
Mit Blick auf die einzelnen in der deutschen Strategie genannten Maßnahmen unterstützt Union Investment insbesondere das Ansinnen, ESG-Wirkungs- und Bewertungsmethoden weiterzuentwickeln. Die Bewertung der Wirkung von nachhaltigen aber auch allen anderen Investitionen wird immer wichtiger werden. Umso dringender ist es, valide Methoden zu entwickeln, die eine fundierte Beurteilung von wirkungsorientierten Investments möglich machen. In diesem Kontext sind weitere Maßnahmen notwendig, um das Problem fehlender ESG-Daten zu lösen. Auch dieses außerordentlich wichtige Thema wird in der deutschen Sustainable Finance-Strategie adressiert.
„Entscheidend ist, dass die Regulierung auf europäischer und deutscher Ebene sorgfältig aufeinander abgestimmt wird. Dies betrifft nicht nur die inhaltliche, sondern auch die zeitliche Dimension“, fordert Reinke angesichts der zahlreichen parallel initiierten Sustainable Finance-Maßnahmen eine konsistente Ausgestaltung. Wenn doppelte oder gar gegensätzliche regulatorische Anforderungen ausblieben, könne die nachhaltige Weiterentwicklung des Finanzstandorts Deutschland verstärkt Fahrt aufnehmen, so das Fazit des Vorstandsvorsitzenden von Union Investment.
Entscheidend ist, dass die Regulierung auf europäischer und deutscher Ebene sorgfältig aufeinander abgestimmt wird. Dies betrifft nicht nur die inhaltliche, sondern auch die zeitliche Dimension.