Source: https://www.finanzagenda.de/positionen-und-papiere/nationale-themen/transformation/studie-infrastrukturinvestments
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Stand: 23. Oktober 2024
Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld und Hans Joachim Reinke
In Deutschland besteht ein dringender Bedarf an Investitionen in die Infrastruktur, insbesondere in die Sanierung und den Ausbau von Straßen, Brücken, Schienen sowie in den Aufbau der digitalen Infrastruktur und erneuerbare Energien. Experten schätzen, dass allein für Autobahnen, Eisenbahnen und Energieinfrastruktur in den nächsten Jahren rund 400 Milliarden Euro benötigt werden. Laut einer Studie von Professor Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld von der Universität Freiburg, die im Auftrag von Union Investment durchgeführt wurde, ist die Infrastruktur in Deutschland stark sanierungsbedürftig.
Deutschlands Infrastruktur lebt fast nur noch von ihrer Substanz.
Professor Dr. Dr. h.c. Lars P. Feld
Universität Freiburg
Die marode Infrastruktur, wie der Einsturz der Carolabrücke in Dresden zeigt, und die unzureichende systematische Erfassung der Infrastrukturinvestitionen in Deutschland, stellen große Herausforderungen dar. Der Gesamtbedarf dürfte deutlich höher sein als die bisher erfassten Investitionen, insbesondere da viele Investitionen von den Kommunen getragen werden und es multiple Investitionsbedarfe in verschiedenen föderalen Verantwortungsbereichen gibt.
Angesichts des hohen finanziellen Bedarfs ist es laut Feld notwendig, die Potenziale privaten Kapitals zu erschließen. Eine Lösung könnte die Finanzierung durch Infrastrukturfonds sein, durch die private und institutionelle Investoren in staatliche Projektgesellschaften investieren könnten, die für den Bau, Betrieb und die Verwaltung öffentlicher Infrastruktur zuständig sind.
In Deutschland existieren bereits privatrechtlich organisierte Infrastrukturgesellschaften, wie die Autobahn GmbH oder die DB InfraGO AG, die die Instandhaltung und den Aus- oder Umbau öffentlicher Infrastruktur planen, organisieren und durchführen. Eine übergeordnete Netz-Infrastrukturgesellschaft könnte ebenfalls eine effektive Lösung für die Finanzierung der Energieinfrastruktur sein.
Die Bedeutung von Infrastrukturinvestitionen wird durch eine Untersuchung des World Economic Forum unterstrichen, die zeigt, dass Deutschland in der Qualität der Infrastruktur im internationalen Vergleich von Rang drei im Jahr 2006 auf Rang zwölf im Jahr 2018 gerutscht ist. Daher ist es unerlässlich, die Finanzierungsbasis im Infrastrukturbereich zu verbreitern und private Investitionen zu fördern, um die Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz Deutschlands zu stärken. Basierend auf aktuellen Angaben des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr wird der Investitionsbedarf alleine für die Straßeninfrastruktur des Bundes, also Autobahnen und Bundesfernstraßen, für die Jahre 2025 bis 2028 auf über 57 Milliarden Euro geschätzt. Der Bedarf für die Bahn beträgt im gleichen Zeitraum laut Ministerium 63 Milliarden Euro. Und für die Energieinfrastruktur liegt der geschätzte Investitionsbedarf aufgrund der Energiewende bei On- und Offshore-Anlagen bei bis zu 270 Milliarden Euro bis zum Jahr 2037.
Die Studie hebt hervor, dass private Investitionen durch gezielte Fondsmodelle einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung der Infrastruktur leisten können. Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, betont die Rolle von Fondsgesellschaften als wichtige Kapitalsammelstellen für die Infrastrukturfinanzierung: „Als Kapitalsammelstelle bringen Fondsgesellschaften das vorhandene Geld dahin, wo es eingesetzt werden sollte. Deswegen werden sie zukünftig eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Infrastruktur spielen.“
Als Kapitalsammelstelle bringen Fondsgesellschaften das vorhandene Geld dahin, wo es eingesetzt werden sollte. Deswegen werden sie zukünftig eine wichtige Rolle bei der Finanzierung von Infrastruktur spielen.
Hans Joachim Reinke
CEO, Union Investment
Die überarbeitete und seit diesem Jahr anwendbare Verordnung für ELTIF bietet einen wichtigen Rahmen. Im Gegensatz zu klassischen Fonds, die in Aktien oder Anleihen investieren, bieten Infrastrukturinvestments einige Besonderheiten. Sie werden weniger stark von Konjunkturzyklen beeinflusst und entwickeln sich unabhängiger von börsennotierten Anlageklassen aufgrund unterschiedlicher Preisfeststellungszyklen. Dadurch stellen sie eine breitere Basis für die Vermögensstruktur im Portfolio dar. Zudem erzielen viele Infrastrukturinvestments prognostizierbare und stabile Erträge. Nicht jeder ist jedoch für eine solche Anlage geeignet. „Der ELTIF ist eine Beimischung für Anleger mit breiter Erfahrung mit Wertpapieren. Das Kapital zu aktivieren, bietet großes Potenzial für Kunden und Gemeinwesen gleichermaßen", betont Reinke. Dies erfordere jedoch eine langfristige Aufgabe. Private Investitionen in Infrastrukturprojekte seien nur der Anfang eines Themas, das uns in den kommenden Jahren immer stärker beschäftigen würde. Massive Investitionen seien notwendig, um zukünftig wettbewerbsfähiger und resilienter zu werden, insbesondere im Hinblick auf die nachhaltige und digitale Transformation der Wirtschaft, so Reinke.